Die Droge des Pavel Gross

Eishockey Wie es der Mannheimer Trainer gleich in seiner ersten Saison geschafft hat, den Adlern wieder Flügel zu verleihen.

Für Pavel Gross sind Erfolge in den Playoffs wie eine Sucht. Die K.o.-Runden nennt der Trainer der Adler Mannheim zwar die schwerste Zeit der Eishockey-Saison. „Es ist allerdings auch die schönste Zeit des Jahres, die du in vollen Zügen genießen musst. Du weißt, dass du etwas erreichen kannt. Es ist wie eine Droge“, sagte der 50-Jährige vor dem Viertelfinal-Auftakt an diesem Mittwoch (19.30 Uhr) gegen die Nürnberg Ice Tigers.

Die nächsten Wochen werden darüber entscheiden, ob die Spielzeit tatsächlich erfolgreich wird und Gross gleich in der ersten Saison seinen Auftrag erfüllen kann. Der Gewinner von drei Titeln mit den Adlern als Spieler soll als Trainer den Pokal wieder nach Mannheim holen und die Dominanz des EHC Red Bull München nach drei Jahren endlich brechen.

Das Viertelfinale gegen den Tabellenzehnten Nürnberg soll nur eine lockere Durchgangsstation auf dem angestrebten Weg ins DEL-Finale sein. Die Hauptrunde hat der siebenmalige Meister gemeinsam mit München dominiert. Mit 116 Punkten stellten die Kurpfälzer gleich in der ersten Spielzeit nach dem großen Umbruch eine neue Bestmarke auf.

Schnell haben sich die Mannheimer nach der lange verkorksten Vorsaison an den neuen Führungsstil gewöhnt. „Wir hatten eine Vision und haben natürlich gehofft, dass sich unsere Maßnahmen auszahlen würden. Damit rechnen konnten wir allerdings nicht“, sagte Manager Jan-Axel Alavaara kürzlich dem „Mannheimer Morgen: „Die Mannschaft hat sich viel schneller gefunden als gedacht.“ Disziplinfanatiker Gross hat detailverliebt vieles umgekrempelt und den Adlern eingeimpft, hart zu arbeiten. In Wolfsburg hatte seine Strategie mit deutlich bescheideneren Mitteln Wirkung gezeigt. Kein DEL-Team war mit einer solchen Konstanz erfolgreich wie die Niedersachsen unter Gross.

„Pavel Gross fordert von jedem Spieler harte Arbeit und fokussiert zu sein – egal, ob dieser 17 oder 35 Jahre alt ist“, schilderte Mannheims Nationalstürmer Markus Eisenschmid. Bei den Adler-Fans hat die imposante Vorrunde schon vor den Playoffs für Euphorie gesorgt. Selbst zum Training kamen am Sonntag 600 Zuschauer. Co-Trainer Mike Pellegrims sprach von einer „Gänsehaut“-Atmosphäre.

Gegen Nürnberg starten die Adler nun als klarer Favorit. Alle vier Vorrundenpartien in dieser Saison haben sie gewonnen. Die Franken erreichten zuletzt allerdings dreimal nacheinander das Halbfinale. In dieser Spielzeit drohten sie aber gar, die Playoffs zu verpassen. Über Tabellenplatz zehn und die Verlängerung im dritten Vor-Playoffs-Duell mit Bremerhaven rettete sich die Ice Tigers ins Viertelfinale.

(dpa). „Wir wissen, was wir können, und starten mit Selbstvertrauen in die Playoffs“, sagte Adler-Nationalstürmer David Wolf, will aber von der Favoritenrolle im Titelrennen nichts wissen: „Als Topfavorit geht immer noch München in die Playoffs. Wer dreimal in Folge Meister war, kann diese Stellung nicht verleugnen.“© Die inhaltlichen Rechte bleiben dem Verlag vorbehalten. Nutzung der journalistischen Inhalte ist ausschließlich zu eigenen, nichtkommerziellen Zwecken erlaubt.

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